Trotz der Fülle an Ideen, Denkanstößen und Ergebnissen des einwöchigen Workshops, der Diskussionen, der Umfrage und der Gespräche am Rande der Veranstaltung lassen sich doch inhaltliche Punkte finden, welche immer wieder, wenn auch in Variationen, benannt wurden und weiterverfolgt werden sollten.
Zunächst einmal war die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sehr fruchtbar. Sei es das Bereitstellen von Arbeits- und Informationsmaterialien, des Stadthauses für die Präsentation oder die Begleitung der Veranstaltung durch Vorträge und Konsultationen. Es war und ist deutliches Interesse seitens der Verwaltung an der Veranstaltung und ihren Ergebnissen spürbar. Auch die eher als lethargisch bezeichneten Cottbuser sind interessierter, in Detailfragen besser informiert und zur Mitarbeit und Diskussion gewillter als angenommen und strafen manches Vorurteil ab. Auch wenn häufig ein Resignationspotential herauszuhören ist, die Einwohner lassen sich durchaus zu Innovation und Engagement bewegen. Und noch ein Vorurteil kann ausgeräumt werden: Cottbus ist eine lebenswerte Stadt, was von allen Auswärtigen so eingeschätzt wurde. Die Bewertungsgrundlage basierte hier nicht nur auf dem Stadtkern, und somit kann diese Meinung als repräsentativ angesehen werden. Fragt man genauer nach, fallen auch dem Cottbuser viele positive Aspekte der Stadt ein, wenn nicht der Arbeitsplatzmangel im Vordergrund stünde.
Wie also kann sich eine wirtschaftlich erfolgreiche und identitätsstiftende Entwicklung darstellen? Die Identität der Stadt muss das emotionale Bindeglied zwischen dem Ort und seinen Bewohnern sein. Denn aus Identifikation erwächst Engagement und die Umsetzung persönlicher Vorhaben vor Ort und nicht in der Ferne.
Welche Identität wird Cottbus zu seinem 900jährigen Jubiläum haben? Auf diese Frage wurden von allen Beteiligten divergierende Antworten gefunden. Diese aber basieren alle auf einer gemeinsamen Vision. Die folgenden Thesen zeigen die Schwerpunkte der Cottbuser Identität in den kommenden Jahrzehnten auf. Die erarbeiteten Visionen sollen der Zielpunkt sein, der das städtische Handeln unterworfen wird und an der kommunale Entscheidungen gemessen werden sollen
Das setzt voraus, alle
Rahmenbedingungen auf Forschung und Entwicklung auszurichten, sowie die
Lebensbedingungen in der Stadt für Forscher und Entwickler anzupassen.
Die Standortvorteile sowie
die geistigen Ressourcen, die durch die Fachhochschule Lausitz, der
Brandenburgischen Technische Universität und all den anderen
Bildungseinrichtungen bereitgestellt werden, müssen unbedingt vollständig in
der Stadtentwicklung genutzt und eingesetzt werden.
Nicht der Großinvestor wird
Arbeitsplätze schaffen, sondern vielmehr sind es die Projekte und Entwicklungen
vor Ort. Diese sind zu unterstützen und zu begleiten, mit der Zielsetzung, die
Produktion oder Umsetzung dann vor Ort zu binden. Die Arbeitsplatzmöglichkeiten
allein in Forschung und Entwicklung sind in ihrer Bedeutung nicht unter zu bewerten.
Die Angebote an Kultur, touristischer Attraktivität und Sport dienen als weiche
Standortfaktoren und sind als Werbeträger der Stadt weiter zu entwickeln und
bekannter zu machen. In Cottbus wird man sehr bewusst mit dem Fakt umgehen,
eine „kleine überschaubare Großstadt“ zu sein. Die Erhaltung der heutigen
kulturellen und sozialen Infrastruktur macht das Leben hier lebenswert. Die
Stadt wird ihren individuellen Charme haben. Ein Weiterentwickeln des
Gartenstadtcharakters zahlt sich aus, geht aber einher mit einer Vielfalt an
Freizeitmöglichkeiten für alle Altersklassen. Ein vitales urbanes Leben ist die
Grundlage, junge kreative Köpfe hier zu halten. Ideen werden hier nicht nur
entwickelt, vielmehr unterstützt man sie und gibt ihnen immer den nötigen
Freiraum und die nötige Zeit zur Entfaltung. So wird sich die Stadt ein offenes
innovationsfreundliches Image schaffen.
Seine Bedeutung geht über
die Grenzen der Niederlausitz hinaus. Administrativ bietet es den Standort für
Landesbehörden. Cottbus übernimmt in Brandenburg Spitzenpositionen wie bei der
Kultur mit dem Staatstheater, der Bildung mit zwei Hochschulen, oder im
Sportbereich mit sehr erfolgreichen Bundesligavereinen, einzelnen
herausragenden Athleten und dem offiziellen Olympiastützpunkt. Es bietet, anders
als Potsdam, welches an Berlin gekoppelt ist, die Möglichkeit einer eigenständigen
Entwicklung.
Mittelfristig sind die Vorräte der heimischen Braunkohle erschöpft. Doch die Energiegewinnung bietet mehr Möglichkeiten als die Kohleverstromung. Das heute schon existierende Leitbild „Cottbus als Energiestadt“ gehört dazu konsequent umgesetzt. Die Hochschulen und die ansässige Energiewirtschaft bieten die Möglichkeit, die Entwicklung auf allen Energiesektoren voranzutreiben. Da auch Vattenfall bereits an regenerativen Energien forscht, ist ein potenter Partner gegeben. Alternative Energiegewinnungsformen sind Solarenergie, Photovoltaik, Windkraft, verschiedene Verfahren der Biomassenutzung oder Erdwärmenutzung.
Cottbus hat
noch immer den Kern der Fachkräfte bzw. rekrutiert über die Hochschulen den
eigenen Nachwuchs für die Forschung. Setzt die Stadt ihre Fördermittel gezielt
ein oder betreibt eigene Forschungsprojekte in Kooperation mit den
Forschungseinrichtungen, lassen sich Entwicklungskerne der neuen Energien hier
ansiedeln. Dabei sind alle Richtungen der Zukunftsenergien zu beachten und zu
unterstützen. Eine selbstbewusste Vermarktung wird den Ruf der Stadt als
Energiestadt befördern. Mit wachsendem Renommee ist der Schritt zu weiteren
Ansiedlungen getan. Primär ist aber die Unterstützung der jungen potentiellen
Gründer schon während des Studiums erforderlich. Das hält das geistige
Potential in der Stadt.
Im Zusammenhang mit
grundsätzlichen Entwicklungsstrategien haben sich aus dem Workshop einzelne Unterthemen
mit ersten Lösungsansätzen herauskristallisiert. Diese können in wechselnder
Zusammensetzung Teil verschiedenster Strategien sein. Deshalb werden sie im Folgenden
einzeln betrachtet. Auch die Umsetzung einzelner Punkte führt nach Auffassung
der Stadtwerkstatt zu nachhaltigen Entwicklungen.
Die Abwanderung der Einwohner führt schon heute zu erheblichen Rückbaumaßnahmen. Die zu Zeiten der, durch die DDR übermäßig geförderten Stadtentwicklung, entstandenen Großsiedlungen verlieren zusehends an Bewohnern. Erstaunlicherweise erfolgt die Abwanderung in umgekehrter Reihenfolge zur Entstehung der Wohnkomplexe. Es scheint vernünftig, sich mittelfristig damit vertraut zu machen, dass die Neubaugebiete Sachsendorf und Neu-Schmellwitz nicht mehr existieren werden. Ebenso gibt es bei der Binnenwanderung die Tendenz ins Grüne oder in die Innenstadt zu ziehen.
Unserer Auffassung nach sollte der anhaltende Zuzug in die Innenstadt stärker gefördert werden. Durch die nun aber freigestellten Dorfkerne Schmellwitz und Sachsendorf, kann dem privaten Hausbau in Stadtnähe auf schon erschlossenen Gebieten Platz geboten werden. In punkto Zuzüge in die Stadtmitte ist zu unterstützen, dass sich die verbleibenden Bewohner und städtischen Funktionen in der Innenstadt konzentrieren. In diesem Punkt gab es zwischen den Ansichten der Teilnehmer der Stadtwerkstatt und der Meinung der Cottbuser erstaunlich viele Übereinstimmungen. Die angenommene Grenze der Innenstadt definiert sich durch den bald geschlossenen Stadtring. Eine Verdichtung dieses Areals formt Cottbus zu einer Stadt der kurzen Wege, nimmt der Innenstadt unattraktive Brachflächen durch Verdichtung und bietet die Chance der Stadt ein neues Gesicht zu verleihen. Cottbus ist auf einen eigenen Charme angewiesen, um als Gelenk zwischen Berlin, Dresden und Leipzig bestehen zu können. Dazu gehört auch die Platzierung aller wichtigen Institutionen in der Innenstadt.
Der Begriff der „kleinen Großstadt“ begegnete den Teilnehmern
des Workshops immer wieder. Es muss versucht werden, die kulturelle und soziale
Infrastruktur weitestgehend zu erhalten. Diese Angebote, konzentriert im
Zentrum in Verbindung mit einer kompakten Einwohnerstruktur, werden die
Urbanität wesentlich verbessern. Ein verbessertes Lebensgefühl wird helfen, die
Jugend in der Stadt zu halten. Dazu gehört auch die Perspektive, eigene
Projekte hier umsetzen zu können. Für eine höhere Bindung an die Stadt muss
auch jede Art von Kulturleben weiter unterstützt werden. Die gesamte Innenstadt
ist für Veranstaltungen jeglicher Art, auch unter Einbeziehung der Spree, zu
nutzen. Für neue innovative Veranstaltungsideen sollten seitens der Verwaltung
alle Türen offen stehen. Entstehende Diskrepanzen durch Einzelinteressen
sollten dem Stadtinteresse untergeordnet werden. Um den Charakter der Parkstadt in Cottbus deutlicher zu gestalten, gehören alle Grünflächen der
Stadt bewahrt und verwoben. Sind nicht größere Sichtflächen an der Spree identitätsstiftender
als der heutige barriereartige dichte Bewuchs? Die Uferzonen der Spree müssen
endlich wieder für Freizeit und Erholung nutzbar gemacht werden. Eine
konsequente Begrünung aller städtischen Hauptachsen ist für den grünen
Charakter bezeichnend.
Cottbus stellt den kulturellen Schwerpunkt einer sich touristisch entwickelnden Region dar. Die Vermarktung ist immer ganzheitlich im Zusammenspiel mit der Region geschehen. Die Frage stellt sich, wie die Stadt als Mittel- und Umlenkpunkt zwischen dem Spreewald, dem kommenden Ostsee, der Cottbuser Parklandschaft und der Seenplatte des Fürst-Pückler-Landes gestaltet werden kann. Eine Möglichkeit bietet die Ergänzung der Freizeitaktivitäten in der Umgebung mit einem umfangreichen Kunst und Kulturprogramm, welches auch gezielt auf einzelne Ansprüche der verschiedenen Touristenklientel ausgerichtet ist. Auch muss in einer von Wasser geprägten Region ein Wasserweg vom Spreewald über und durch Cottbus zur südlichen Seenplatte führen. Mit dem Spreewaldkahn zum Theater und zum Messezentrum, welche Stadt kann das bieten!?
Für die innenstädtische
Entwicklung sollte die Stadt die Konzeption einer kulturellen und musealen
Konzentration um den Amtsteich konsequent weiterverfolgen. Hier im Zentrum lassen
sich Synergieeffekte mit der sich entwickelnden Gastronomie- und Erlebniskultur
in der Altstadt erzeugen und an das Thema Wasser koppeln. Als Aushängeschild
kann der Name Pückler als historische Größe verwandt werden. Der Name sollte
jedoch nicht überstrapaziert werden, andere Identifikationspunkte stehen auch
zur Verfügung. Eine selbstbewusste Vermarktung der städtischen Feste, die
Einbindung der ansässigen Künstler und die Pflege der hiesigen Subkultur
erweitern das angesprochene Spektrum.
Wie schon erläutert, ist der drohende Rückbau großer Wohngebiete in Plattenbauweise nicht abzuwenden. Die Umsetzung der Kernstadtidee beinhaltet dem entgegen aber den Erhalt der Sandower Plattenbauten. Hier bietet sich ein ideales Experimentierfeld für kommende flexible und innovative Wohnformen auf der Basis der Plattenbauweise. Abgesehen von punktuellen Rückbauten, die sich auch hier nicht ganz vermeiden lassen werden, können hier neue Wohnformen entwickelt werden.
Für die Gebiete
in Sachsendorf und/oder Schmellwitz sollte man über ein bewusstes Belassen
einiger leerstehender Gebäude nachdenken. Vielleicht bietet sich hier der Raum
für Zwischennutzungen, die in besiedelten Quartieren nicht möglich sind.
Entwicklern, Studenten, Künstlern, Sportlern oder anderen könnten hier die
Flächen zur Verfügung gestellt werden, die sie nur übergangsweise benötigen.
Auch ist eine skulpturale oder museale Entwicklung einzelner Baukörper denkbar.
Die Entstehung eines Binnengewässers derartiger Größe direkt an der Stadtgrenze ist die städtebauliche Herausforderung der kommenden Jahre. Problematisch ist die Entfernung des Sees von der Stadt. Eine direkte Anbindung an die Innenstadt über den Wasserweg oder gar ein ganzes Kanalsystem ist geboten. Allein die Einbindung in den Aqua- Tourismus der Region erfordert das. Grünachsen sind die notwendigen Wege für Radler und Spaziergänger. Um einen direkten Bezug herzustellen, kann das Areal für künftige Stadterweiterungen genutzt werden. Die Ausrichtung der Stadt dreht sich somit von der Nord-Süd- in die Ost-West-Achse. Doch wohin mit dem Gewerbe im Cottbuser Osten. Diese Industriefläche baut hierbei eine unattraktive Barriere auf.
Folgende Optionen
bieten sich: Zum einen ist damit zu rechnen, dass gewerbliche Nutzungen in
Zukunft in anderen attraktiveren
Bauformen Platz finden, so dass der Industriecharakter nicht mehr überwiegt.
Mittel- und langfristig können die Nutzer auch innerhalb der Stadtgrenzen
umgesiedelt werden. So bieten z.B. die beräumten Flächen an der Autobahn eine
Ausweichfläche mit bester Anbindung und Infrastruktur. Das Sandower
Industriegebiet könnte auch so umstrukturiert werden, dass breitere Durchlässe
zwischen den Gewerbeflächen konzipiert werden. Sicher ist, dass sich die Stadt
in Richtung See bewegen muss, um die sich bietenden Möglichkeiten voll
auszuschöpfen.
Beide Hochschulen der Stadt sind durch einen Campuscharakter geprägt, und darüber hinaus ist die Fachhochschule weit abseits des Zentrums lokalisiert. Geht man davon aus, dass die weitere Entwicklung vor allem auf den Impulsen basiert, welche von den Hochschulen ausgehen, ergibt sich die Notwendigkeit, diese mehr in die Stadt zu integrieren. Besonders die FH würde mit dem Rückbau von Sachsendorf in eine Randlage gedrängt. Das Eingliedern universitärer Funktionen hat für beide Seiten positives.
Die Universitäten können sich, z.B. in den Pavillons der
Stadtpromenade besser repräsentieren. Der Stadt entfallen Sorgen um die
Nachnutzung einiger Leerstände. Durch Pilotprojekte z.B. in der
Energieforschung, kann die Kommune die benötigten Experimentierfelder schaffen,
um Forschung und Lehre attraktiver und praxisnaher, also erfolgreicher zu
gestalten. Die daraus entstehenden Projekte ergeben wiederum Bedarf an
Räumlichkeiten für Firmengründer. Ein weiterer Effekt ist die bessere
Wahrnehmung des universitären Lebens durch die Bürger und eine viel höhere
Identifikation mit der BTU und der FH. Eine Vertiefung der Zusammenarbeit, wie
mit dieser Stadtwerkstatt praktiziert, bringt beiden Partnern Vorteile. Auch
weil der Stadt ein umfangreicher Wissenspool für Problemlösungen zur Verfügung
steht.
Cottbus gehört zu den führenden Sportstädten Deutschlands. Doch hingegen anderen Kommunen, die ihrem einzigen erfolgreichen Athleten ein Denkmal setzen, bleiben die vielen Olympiasieger, Welt- und Europameister ungenannt. Das ganze Spektrum der sportlichen Agilität lässt sich am besten erfassen, vergegenwärtigt man sich einmal, in wie vielen Sportarten Cottbuser Mannschaften in den Bundesligen vertreten sind. Dieses einmalige Werbepotential muss effektiver für die Stadt ausgeschöpft werden und zur Bewusstseinsbildung in der Stadt eingesetzt werden.
Durch ein offensiver vertretendes Image als Sportstadt und die Unterstützung
der Protagonisten, ließen sich mehr Talente nach Cottbus ziehen oder wenigstens
hier halten. Die Existenz des Olympiastützpunktes, der Sportschule und des
Trainingszentrums des Bundesgrenzschutzes wären so langfristig gesichert.
Nebenbei lassen sich die Angebote für den Breitensport so leichter sichern. Ein
Punkt, der beim Werben um Spitzenkräfte aus Forschung und Bildung, als weicher
Standortfaktor nicht zu vernachlässigen ist.
Während der einwöchigen
Arbeit kristallisierten sich einige Punkte heraus, bei denen dringend Handlungsbedarf
besteht und die hier aufgeführt werden sollen. Zuerst ist zu sagen, dass die
Außenwerbung der Stadt in allen Belangen einheitlich, kontinuierlich und
aggressiver geführt werden muss. Eine Architekturfakultät, die im deutschen
Hochschulranking seit Jahren an der Spitze eingeordnet wird, eine Umfrage, bei
der Cottbus als Existenzgründerfreundliche Stadt aufgeführt wird sowie
zahlreiche Topleistungen im Spitzensport, sind Punkte, die in der Vermarktung ihrer
Bedeutung nicht gerecht werden. Die Stadt kann es sich auch erlauben mit den
meisten Sonnentagen Deutschlands Reklame zu betreiben. Regionen wie das
Breisgau entwickeln auf ähnlicher Grundlage ein Image und schlagen daraus
Kapital. Cottbus hat Potentiale und diese gehören benannt und entwickelt!
Auch ist es bedauerlich zu
sehen, welche schlechte Meinung die Bürger über ihre Stadt vertreten, warum
auch immer. Es muss eine Prämisse sein, immer wieder über vorhandene Erfolge zu
informieren. Nicht um über Probleme hinwegzublenden. Aber Engagement
einzufordern und ein gesundes Bürgerselbstbewusstsein zu formen gestaltet sich
einfacher mit positiven Beispielen. Und hier ist auch insbesondere die lokale
Mediengesellschaft angehalten, das Stadtbild gerade zu rücken. Leider ist
ebenso die Beteiligung der Einwohner an Planungen und Entscheidungsfindungen
der Stadt nur suboptimal. Es fehlt in der Stadt an Informationspunkten, wo der
Bürger ganzzeitlich über alle aktuellen Planungen detailliert informiert wird.
International gibt es da genügend anschauliche Beispiele, an denen man sich
orientieren könnte. Da die Gefahr besteht, dass die örtliche Presse, durch
unvollständige oder unscharfe Wiedergabe von Meinungen und Fakten in der
Berichterstattung, die Meinungsbildung beeinflusst, liegt auch der Gedanke
nahe, über eine stadteigene Publikationsplattform nachzudenken. Die momentane,
eher dürftige oder unübersichtlichen Internetpräsenz ist hier nicht
ausreichend. Insgesamt gilt es, das Potential der Stadt in allen Bereichen
besser auszunutzen und zu repräsentieren. Die Fülle an Ideen, Anregungen und
Lösungsvorschlägen für kommunale Problemstellungen, die durch die Besucher und
Teilnehmer der Stadtwerkstatt vorgebracht wurden, beeindruckte. Dem entgegen
stand das Gefühl, dass Innovationen oft behindert statt unterstützt würden und
deshalb viele gute Ansätze im Keim erstickt werden. Auch um solche Eindrücke
nicht überwiegen zu lassen, gilt es eine effektive Schnittstelle zwischen dem
geistigen Potential der Bevölkerung und der Administration zu schaffen. Die
Frage, ob alle Neuerungen in der Stadt selbst entwickelt werden müssen, hatten
wir in diesem Zusammenhang schon aufgeworfen. Inwieweit werden Konzepte von
erfolgreichen Kommunen (auch international)
auf die Anwendbarkeit für Cottbuser Probleme gesucht und geprüft? Das
Motto muss lauten: „Mit den Besten vergleichen, Spitze erreichen.“
Sollten Aufgaben des
Marketings und Managements an Dritte übertragen werden, bedürfen diese einer
entsprechenden unabhängigen Handlungsfähigkeit und Entscheidungskompetenz.
Die Konzeptionen gingen von
einem Entwicklungszustand aus, der zur 900-Jahrfeier erreicht werden kann. Doch
es bedarf eines Anfangs. Die Erfahrung aus dem Workshop zeigt, dass ein von der
Tagespolitik gelöster Entwurfsprozess Ergebnisse hervorbringt, die
diskussionswürdig aber auch anstoßgebend sein können und sollten. Es gilt nun,
eine Debatte über die langfristige Entwicklung in Gang zu bringen, bei der alle
eine Beteiligung erfahren, die sich in und für diese Stadt einbringen wollen
oder mit ihren eigenen Projekten unabhängig von der Kommune ihren Teil zur
Entwicklung beitragen. Hierfür muss seitens der Stadt dieser Prozess
transparent und für jeden zugänglich gemacht werden. Eine Verbesserung der
Organisation der Bürgerbeteiligung mit entsprechender Unterstützung sollte
überdacht werden. Die für Informationspolitik Zuständigen können kurzfristig
mit entsprechenden Medien ausgestattet werden. Nun stellt sich die Frage nach
ersten Schritten, die Cottbuser in diesen Prozess zu integrieren. Die
Vorstellung der Teilnehmer der Stadtwerkstatt ist, die 850-Jahrfeier als
Testfeld zu nutzen. Gelingt es auf breiter Basis, die Bevölkerung an den
Planungen zu beteiligen, ist das ein positives Signal und mit Sicherheit auch von
Vorteil für die Stadt. Viele Ideen existieren ungehört in diversen Schubladen.
Diese müssen abgerufen und offen auf Realisierbarkeit überprüft werden. Ein
Mehr an Vielfalt sollte nicht an schon bestehenden und nicht mehr zu ändernden
Planungen scheitern. Hier ist Mut für Visionen und Vertrauen in die Cottbuser
nötig. Jede Idee ist zu beachten und es steht jedem zu, seine Vorstellungen und
Projekte umsetzen zu können. Es wird sich als vorteilhaft herausstellen, den
kreativen Zellen der Stadt die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben, ein
Ausprobieren zuzugestehen. Ein Bürger formulierte es treffend: „Man muss die
einfach mal machen lassen.“
Auch darf man den fast
zehnprozentigen Anteil an Studenten und Mitarbeitern beider Hochschulen der
Stadt nicht außer Acht lassen. Ein Mehr an Beteiligten bedeutet immer auch ein
Mehr an potentiellen Helfern und guten Ideen.
Cottbus kann in 50 Jahren
eine attraktive Stadt sein. Die Wirtschaft basiert auf alternativen Energien,
die hier entwickelt und produziert werden, 60 Prozent der europäischen
Solarzellen kommen von hier. Die BTU und die FH-Lausitz besitzen einen
international guten Ruf und die Stadt ist bekannt für ihr studentisches Flair.
Das lebhafte Zentrum, in dem viele der Cottbuser wohnen, hat einen grünen
Charakter, Strassen und berühmte Parks sind einladend, die Stadt ist modern
aber nicht hektisch. Eine echte Alternative zu anderen lauten Großstädten.
Dennoch ist das kulturelle Leben vielfältig, bietet Raum zur Entfaltung der
Brandenburger Kulturszene Jährlich zieht es Touristen nach Cottbus, ins Zentrum
der Lausitzer Seen- und Wassertourismus Region. Cottbuser Sportler sind
traditionell vorne mit dabei und an den Cottbuser Entwürfen zur Umgestaltung
von Plattenbauten orientieren sich viele andere. IIN DIESER STADT LÄSST ES SICH LEBEN!