Neue Visionen brauchen Mut
vom 30.07. - 07.08.2005 in Cottbus

Auswertung der Umfrage

Insgesamt haben bis Ende September 88 Personen den Fragebogen ausgefüllt. Das Spektrum der Befragten umfaßte alle Altersklassen und sowohl Cottbuser als auch Gäste. Auf die Fragen nach drei Dingen oder Visionen, welche für die Zukunft der Stadt gewünscht werden, gibt es viele Antworten. Alle waren individuell und daher ist es schwer alle darzustellen. Wir haben aus diesem Grund die tendenziell gleichen Antworten zu einem Identifikationspunkt, Thema oder Zukunftswunsch zusammengefasst.

Wichtig zu benennen ist, dass die Cottbuser neben den sozialen Bindungen einen starken Bezug zum Erscheinungsbild der Stadt und den kulturellen Angeboten haben. Bei der Zukunftsfrage verschob sich die Gewichtung deutlich in Richtung ökonomischer und administrativer Aspekte.


Cottbus Heute- die Identifikationen

Um jedem Interessierten einen Überblick über die Bandbreite der Äußerungen zu geben, sind im Folgenden weitere Meinungen aufgeführt. Es handelt sich hier um Aussagen, die schwer in die schon benannten Kategorien einzugliedern sind. Wir haben uns entschlossen sie als Zitate unkommentiert für sich sprechen zu lassen.

„…eigensinnig, stur und besserwisserisch > das spiegelt sich in Ämtern und Politik wieder;

freundlich, fleißig und liebenswert > ist leider durch hohe Bescheidenheit derer schwer erkenntlich.“

"Cottbus ist zwar eine "relativ kleine Stadt", ist mir aber trotzdem als eigentliche Heimatstadt (bin in Brandenburg geboren) ans Herz gewachsen. Mit den richtigen Leuten zusammen kann man hier sehr viel Spaß haben."

"In Cottbus ist es schwer das richtige Abendprogramm zu finden, da im Vergleich zu anderen Städten selber Größe zu wenig los ist."

"Es fehlt ein Konzept zum Stadtumbau. Punktuelle Lösungen befriedigen nicht.
Entwickeln die Stadt auch nicht wirklich!"

"Nach Cottbus kommt man kurz wegen der Uni und ist dann wieder froh, wenn man wieder weg kann."

"meckernde Rentner"

"In guter Tradition mit Fürst Pückler sollten Projekte im Bereich des Kennen lernen von Neuem, Natur und Lebenslust(z.B. Kultur...) gefördert werden. Es bedarf auch einer belebten Innenstadt, d.h. Bewohner der Innenstadt dürfen nicht nur auf dem Privileg der nächtlichen Ruhe pochen dürfen. Mich schaudert es, wenn ich höre das Projekte wie Dieselkraftwerk, wegen Lärmbelästigung nicht zur Geltung kommen sollen."

"diese Stadt macht einen furchtbar ungepflegten Eindruck, das Gras wuchert etc."

"Cottbus ist viel besser als sein Image im Rest von Deutschland. Es gibt sehr schöne renovierte Altbauten, ganz viel Grün, Badeseen und viele Ausflugsziele in der Umgebung (Berlin, Dresden, Spreewald, Tagebauen etc.). Wenn es das Problem der Arbeitslosigkeit nicht gäbe, wäre es die perfekte Stadt."

"Ich habe sehr gern in Cottbus gelebt die einzigen Dinge die ich zu bemängeln habe sind: nach 20.00 Uhr nicht mehr in Bahn unbedingt sicher, Abends ab und an zu tote Hose in der Stadt und das ich bisher von OBin Rätzel enttäuscht bin."

"Es kann nur vorwärts gehen wenn man sich von Kleinigkeiten und Rückschlägen nicht aufhalten lässt."

"Abfahrtszeiten der Straßenbahnen – sollten nicht alle auf einmal kommen, Kino sollte in der Stadt sein."

"Ich verfolge die Stagnation der Stadt mit Schrecken – alle Projekte werden abgeblockt und die dadurch ausgelöste ständige Negativdiskussion macht den subjektiven Eindruck noch schlimmer und schreckt Investoren ab."

"Cottbus hat sich den Charakter einer kleinen Großstadt erhalten, das Zentrum ist überschaubar. Kulturangebote gibt es reichlich."

"Mehr Verbindung Stadt Cottbus – BTU, schnellere Entscheidungen im Rathaus für die Stadt."

"Warum wurde aus dem Status der Modellstadt nicht mehr gemacht? Warum so viele Gelder nach Sachsendorf, wo sowieso Wegzug in Großwohnsiedlungen bestand?"

"Cottbus hat seinen Charme, den CottbuserInnen fehlt dieser auf den ersten
Blick, sie sind aus der Erfahrung heraus abwartend, argwöhnisch, träge,
zunehmend egoistisch, aber trotzdem liebenswert. "

"Man schämt sich der sorbischen Tradition, verleugnet sie, ich bin in fünf Jahren noch keinem Sorben begegnet, was sollen die sorbischen Straßennamen, es gibt keine sorbische Identität. Die Leute sind vergrämt und verbittert (oft unfreundlich) Cottbus wird vielfach nur benutzt. (Professoren, Ärzte etc. pendeln zu ihrem Wohnort Berlin)"

"Cottbus ist ein schlafender Riese unter den Städten. Sein Potential wird häufig verkannt. Hier steht die Wiege vieler bekannter Künstler und Sportler, das Oberzentrum Südbrandenburgs sucht seinen Weg."

Cottbus 2056- Die Visionen

Auch heir eine Auswahl von sehr aussagekräftigen Meinungen der Cottbuser und Gäste:

"Cottbus sollte sich auf die Felder Wissenschaft/Forschung noch stärker konzentrieren (Voraussetzung durch BTU und FH gegeben). Aufgrund der relativ vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von den Tagebaufolgelandschaften sollte auch der Tourismus entwickelt werden. Und der Dienstleistungssektor sollte mehr Beachtung erfahren."

"Innenstadt Autofrei - Rauchverbot überall im öffentlichen Raum - Sachsendorf wird von der Landkarte gestrichen - auch keine teuren Plätze und "gestaltete Freiflächen" mehr dort!"

"Die Um- und Gestaltung der Stadt darf sich nicht nur auf Altstadt und einen Stadtteil begrenzen. Cottbus heißt Altstadt + alle Stadtteile!"

"Die leer stehenden Gebäude in Toplage wieder beleben. Mehr Angebot für die Studenten schaffen."

"Cottbus sollte klar definieren, was es will. Zukunftsfähig ist für mich eine grüne Sportstadt die an erneuerbaren Energien forscht, diese Ergebnisse vermarktet und somit Arbeitsplätze geschaffen werden. außerdem sollte das Zentrum mit Einkaufszentrum und Kino aufgewertet werden."

"Cottbus mit seiner Prägung durch den Braunkohle-Tagebau sollte sich in eine Stadt der Zukunft wandeln, die durch dezentrale Energie- und Lebenskonzepte (Stärkung des informellen Sektors) geprägt ist."

"Wenn es weiter so geht wie bisher wohnen 2050 keine oder nur noch alte Menschen in Cottbus. Die Jugendlichen sehen für sich keine Perspektiven. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert und Cottbus wieder eine junge Stadt wird."

"Abriss aller außen liegenden Einkaufszentren, Rückbau der Bahnhofsstrasse, West-Umgehung, ..."

"Macht die Stadt (nicht nur die Altstadt) grüner, bunter, vielseitiger und fröhlicher- eine Stadt, die man gerne besucht, in der man gerne wohnt. Der Spreewald kann bestimmt für sanften Tourismus genutzt werden. Durch Standortvorteile (günstige Grundstücke...) könnte Industrie angelockt werden, und die wiederum würde neue Arbeitsplätze mit sich bringen. Die Stadt hat auch wieder mehr Geld im öffentlichen Haushalt und die Strukturprogramme können fortgesetzt werden. das wiederum lockt Bevölkerung an. und so weiter und so fort..."

"Cottbus hat in den letzten 40 Jahren eine widersprüchliche Entwicklung genommen. Bis 1989 ständiger Bevölkerungszuwachs von etwa 85.000 auf fast 130.000 und geringer Zuwachs an Territorium. Ab 1990 Bevölkerungsrückgang auf heute 100.000 mit Perspektive 80.000 und mehr als Verdoppelung des Territoriums. Als erste Varianten/Gedanken kommen mir zu diesem Widerspruch: - Radikaler Rückbau einzelner Stadtteile (z.B. Neu-Schmellwitz bis etwa 2015) und Rückkehr zu einer kompakten kleiner Stadt, oder Entwicklung eines völlig neuen Stadtbildes, das es in dieser Form vielleicht noch nie gegeben hat: eine großflächige Wohnstadt mit dünner Besiedlung, eine Art großer Wohnpark. Hat mit Sicherheit strukturelle und ökonomische Konsequenzen, die zu untersuchen wären."

"Eine weltoffene Stadt, Brücke zu Osteuropa."

"Lebensräume für Jugendliche, die größer sind als Klamottenläden. Nachhaltiger Tourismus damit die Stadt den Aufschwung schafft."

"Ich hab einen kleinen persönlichen Wunsch, schon seit Jahren und zwar dass ich wenn ich Mal eine größere Summe Geld gewinnen würde (nicht unmöglich) einen Teil davon dem Tierpark etwas spenden. Ich liebe den CB Tierpark, ich bin mit ihm groß geworden und ich versuche ihn min. einmal zu besuchen."

"Leben in der Stadt."

"Die Stadt bürgerfreundlich gestalten und solche Probleme wie Schwimmhalle / Kino / E-Werk-Schließung in Zukunft schnell und unbürokratisch lösen, so dass die Menschen sehen, dass es vorwärts geht und positiver in die Zukunft blicken."

"Einkaufen + Kultur + Universität + grüne Stadt sinnvoll verbinden, Cottbus als Stadt für einheimische und Fremde erlebbar machen, sinnvolle Nutzung des BUGA Geländes auch nach 2005."

"Cottbus in 50 Jahren bildet die Schnittstelle zwischen dem Spreewald und dem neu erschlossenen Touristengebiet "Lausitzer Seenland". Cottbus ist Knotenpunkt vieler Touristenströme, die das kulturelle Nachtleben der Stadt (mit ihren zahlreichen Lokalen, dem Jugendstiltheater, Festveranstaltungen unter Parkkulissen, Spreeerlebnisfahrten...) gern mit dem rundherum in der Lausitz entstandenen Seengebiet und dem Spreewald für 1-2 Tage bis hin zu 1 Woche verbinden wollen. Naturnaher Tourismus lautet das große Erholungskonzept für Cottbus und lockt damit gestresste Großstädter aus Berlin. Auch polnische Touristen nutzen die zahlreichen Angebote von Fahrradverleih bis hin zu Kahnfahrten und Wasserwandern auf der Spree (die Spree hier betrachtet als Wasserverbindung zwischen Spreewald und "Lausitzer Seenland". Das zweite Standbein von Cottbus wird der Mittelstand sein, der unter anderem von den guten wirtschaftlichen Kontakten zwischen Cottbus und Polen profitiert. Auch polnische Unternehmen sichern in Cottbus Arbeitsplätze. Der Kohleabbau wird für Cottbus keine große Rolle mehr spielen."

"Ein gewaltloses Cottbus, …"

"Bessere Ampelsteuerung für mehr Grünphasen auf Hauptverkehrsstraßen."

"…Cottbus erkennt dies, wird entscheidungsfreudiger, schneller, impulsiver
und damit interessanter für alle die her kommen und die hier leben. Cottbus wird gegen den Trend wachsen, denn Marktwirtschaft heißt auch, eigene Wege zu gehen und immer von den Besten lernen. Die CottbuserInnen werden aufgeschlossener, freundlicher, unternehmerischer und trotzdem hilfsbereit sein, weil sie erkennen, dass Cottbus nicht nur städtebaulich interessant ist, sondern vor allem durch die Lebensart seiner Einwohner."

"Cottbus sollte ein Forschungszentrum für alternative Energien werden/bleiben. Die Region sollte endlich verstehen, daß Cottbus als einzigstes verbliebenes urbanes Zentrum der Lausitz massiv unterstützt werden muß, damit die Region überhaupt eine Überlebenschance hat. Die noch hier gebliebenen Einwohner müssen sich endlich mit diesem Landstrich identifizieren, um das innere Negativimage zu überwinden, das jede zukunftsfähige Aktion verhindert.

"Cottbus - ehemalige Metropole in der Lausitz - ist geprägt von einer durch den Stadtrückbau noch durchgrünteren Stadtlandschaft. Vattenfall hat mittlerweile auch die entvölkerten Städte Spremberg und Peitz abgebaggert. Im Zuge dessen ist die BTU zu einer Eliteschule für Energiewissenschaften geworden und hat ihren Ruf als internationale Bauakademie gestärkt."

"woanders Arbeit finden"

"Leider fällt uns im Moment in dieser Stadt gar nichts mehr ein!"

"Gibt es, dazu reicht hier aber nicht der Platz und gerade meine Zeit nicht!"

Unterstützer:

Förderverein der BTU Cottbus

AFA AG

Autohaus Schön